Atemberaubende Kultur – unberührte Natur – ursprünglicher Genuss

Weit erstreckt sich das hügelige Tal, in dessen Mitte mystisch die mittelalterliche Stadt Poppi mit ihrer Burg, dem Castello Guidi aus dem 14. Jahrhundert, thront. Das CASENTINO ist eine Landschaft wie aus dem Märchen. Nur gute 50 Kilometer von Florenz entfernt, liegt es im Herzen der TOSKANA (Italien) und doch abseits der großen Touristenrouten – und hat sich so bis heute seinen ursprünglichen Charme erhalten können.

Schätze politischer und sakraler Architektur

Die tausend Jahre alte Kultur ist allgegenwärtig: antike Klöster, Kirchen und Burgen prägen das Tal und die Berge des Casentinos, das sich nördlich der Etrusker-Stadt Arezzo auf etwa 800 Quadratkilometern knapp 40 Kilometer entlang des Flusses Arno erstreckt.

Neben dem Castello Guidi im mittelalterlichen Poppi, eine der am besten erhaltenen Burgen und Städte in der ganzen Toskana, befindet sich im Casentino auch das berühmte Franziskanerkloster von La Verna, das im Jahr 1214 vom heiligen Franz von Assisi persönlich gegründet wurde. Dort, in den hohen Felsen des Monte Penna, soll er bei seinen Zwiegesprächen mit Gott die Wundmale der Kreuzigung erhalten haben.

Dante Alighieri weilte lange im Casentino (Toskana) und verewigte in seinen Versen die traumhafte und damals hart umkämpfte Gegend. Etruskische und romanische Einflüsse sind allgegenwärtig. Auch Terrakotten im Stil Della Robbias, Fresken des Giotto-Schülers Gaddi und eine Bibliothek mit über 25.000 historischen Büchern und 800 mitteralterlichen Manuskripten sind erhalten.

 

 

Paradiesische Natur in allen Facetten

Kommt man mit dem Auto über die wundervolle Consuma-Straße durch die weiten Weinanbau-Gebiete von Florenz, erhascht man einen traumhaften Blick aufs Casentino: Einem Amphietheater gleich rahmen die Apenninen das weite Arno-Tal ein. Von den typisch toskanischen Zypressen-Hügeln bis zu beeindruckenden Tannen- und Buchenhochwäldern ist die Natur aufsehenerregend. Weite Olivenhaine wechseln sich mit den typischen Terrassen der Rebstöcke ab, Schafe weiden auf den Hügeln, dazwischen bewirtschaften Bauern ihre Gemüsegärten und kleinen Felder.

Naturliebhaber kommen im Casentino auf ihre Kosten: Insbesondere der Casentino Nationalpark – der größte Nationalpark Italiens – lädt zu ausgedehnten Wanderungen, botanischen Exkursionen oder Tierbeobachtungen ein. Hier liegt in unberührten Wäldern die Quelle des Arno, der von dort durch das ganze Casentino nach Arezzo und weiter nach Florenz fließt. Über rund 600 Wege-Kilometer kann das Naturschutzgebiet erschlossen werden. 

Auch für Wander-Touren, fürs Mountainbike und Reiten eignet sich das Casentino. In den höheren Lagen und schattigen Wäldern bleiben hier selbst im Hochsommer die Temperaturen angenehm. Und auch für weiteres Freizeitvergnügen ist gesorgt: Ob Golf mit atemberaubendem Panoramablick, Tennis, Bowling oder Schwimmen – z. B. auch in den zahlreichen wild-romantischen Badestellen von Bächen und Seen –, Freilicht-Kino und -Konzerte oder die traditionellen Dorffeste – das Angebot ist vielfältig, fügt sich aber immer natürlich in die Umgebung ein.

Individualität und Unverfälschtheit

Jeder der 12 Orte im Casentino – Stia-Pratovecchio, Montemignaio, Castel San Niccolò, Poppi, Ortignano Raggiolo, Bibbiena, Chiusi della Verna, Chitignano, Castel Focognano, Talla, Capolona und Subbiano – hat seine Eigenheiten und lädt zum Verweilen ein. Hier ist die Toskana noch ursprünglich: Einheimische wie Urlauber nehmen ihren Aperitivo in den gleichen Bars, speisen in den gleichen Restaurants, kaufen in den gleichen Läden und besuchen die gleichen Märkte.

Reine Touristenattraktionen oder gar Hotelburgen sucht man im Casentino zum Glück vergeblich. Selbst die Dorffeste – z. B. das Weinfest „Il gusto die Guidi“ am letzten August-Wochenende in Poppi, das Kastanienfest „Castagnata Stiana“ in Stia im Oktober oder das Fest des schwarzen Trüffels (Sagra del Tartufo Nero) im August in Chiusi della Verna – sind nach wie vor in erster Linie Feste der Einheimischen, auf denen Urlauber jedoch immer herzlich willkommen sind.

Überhaupt ist Urlaub im Casentino eng mit den freundlichen Menschen dieses Landstrichs verbunden. Aufrichtige Gastfreundschaft wird groß geschrieben. Viele bieten Ferienwohnungen oder Ferienhäuser an, bewirtschaften kleine, familiäre Hotels oder öffnen ihre Bauernhöfe, Handwerksbetriebe oder Lebensmittelmanufakturen für Besucher. Ganz ohne Tourismus-Stress kann man in diesem Teil der Toskana noch ganz entspannt Land und Leute wirklich kennen lernen.

Apropos Lernen: Lernwillige finden im Casentino ebenfalls, was das Herz begehrt. Vom Italienisch-Sprachkurs, über Musik-, Kunst- oder Terrakotta-Workshops bis zur Wildkräuter-Wanderung mit anschließendem Koch-Kurs ist das Angebot nahe an den künstlerischen, handwerklichen und naturnahen Traditionen des Casentinos ausgerichtet. Alte Handwerkskunst wird auch heute noch im Casentino bewahrt: Steinbearbeitung, Holz- und Schmiedekunst und der berühmte Casentino-Wollstoff zeugen von Werten, bei dem Mensch und Natur noch harmonisch miteinander leben. Spannende Einblicke in die Arbeit bieten die Handwerksmessen, wie die der Schmiedekunst alle zwei Jahre Anfang September in Stia oder die Ausstellung von Steinmetzarbeiten in Castel San Niccolò.

Genuss, wie er ursprünglicher nicht sein kann

Auch beim Essen ist das Casentino seinen Wurzeln immer treu geblieben. Die casentinesische Küche ist bodenständig, setzt auf die Unverfälschtheit seiner hochwertigen Zutaten, die aus den Wäldern und von den Hügeln des Casentinos stammen: Wildkräuter, Pilze, Kastanien, Trüffel, Bohnen, Kartoffeln und Kohl, Honig, Wild, traditionell hergestellter Pecorino und Ricotta, aber auch das speziell casentinische Schwein „Grigio Casentinese“. Es lebt in den Wäldern und ernährt sich von Kastanien und Eicheln. Nach einem jahrhundertealten Rezept – mit Salzmassage und mindestens 12 Monaten Reifezeit – wird es zum Prosciutto Casentino veredelt – ein mittlerweile „Slow Food“-geschütztes Produkt. Und natürlich fehlen auch selbst gemachte Pasta, Pizza und Polenta nicht.

Anders als das benachbarte Chianti ist das Casentino keines der großen Weinbaugegenden der Toskana. Auch beim Wein wird hier auf Individualität und Qualität statt Quantität gesetzt. Die Camaldulenser Mönche des Weinguts „La Mausolea“ nahe Bibbiena lassen z. B. alte Traditionen wieder aufleben. Sie stellen in Jahrhunderte alten Weinfässern ganz besondere Weine her, die sie sogar zum Reifen unter der Erde gehalten werden. Ausgesuchte Weine und erstklassiges Olivenöl findet man auch in Subbiano, am südlichen Eingang ins Casentino nahe Arezzo auf dem Gut Poggiotondo.

Natürlich kann man die casentinischen Gaumenfreuden nicht nur in den Osterien und Restaurants genießen, sondern auch in den kleinen Geschäften in den Ortschaften oder direkt bei den Erzeugern kaufen. Perfekt, um es sich abends auch einfach mal auf der Terrasse des Feriendomizils bei Pecorino, Prosciutto und Vino gut gehen zu lassen.

Pulsierendes Leben nur einen Sprung entfernt

Wer bei so viel „dolce vita“ zwischendurch quirliges Leben und große touristische Attraktionen sucht, macht einen Abstecher ins nahe Florenz. Doch auch die Provinzhauptstadt Arezzo ist unbedingt einen Besuch wert. Patrizierhäuser, Kaufherrenpaläste und kirchliche Bauten prägen das mittelalterliche Stadtbild. Die viertgrößte Stadt der Toskana ist seit jeher berühmt für sein Schmuck-Handwerk. Und seit Roberto Benignis Oskar-gekröntem Meisterwerk „Das Leben ist schön“ sind die Piazza Grande und der Corso Italia weltweit berühmt.

Besondere Highlights: An jedem ersten Wochenende im Monat verwandelt sich das ganze historische Altstadtzentrum in einen großen Antiquitäten-Markt, bei dem Händler aus ganz Italien ihre kostbaren Waren feilbieten. Zweimal im Sommer findet zudem der „Saracino“ statt, ein antikes Ritterturnier in originalgetreuen Kostümen. Der Hauch der Geschichte durchflutet den ganzen Ort während dieses Festes und Menschen aus der gesamten Umgebung bevölkern zu diesem Anlass die historischen Straßen Arezzos.

Text: Dorothea Palte, Hamburg